Donnerstag, 16. Oktober 2014

Birnenmarmelade

Diesen Herbst habe ich eine Birnenobsession. Habe ich schon erwähnt, dass ich Mostbirnenbäume unglaublich elegant finde? Die Art und Weise, wie sie hoch und schlank, grazil und gleichzeitig fast monumental am Straßenrand stehen. Wie sie sich neigen und dabei himmelwärts streben. In ihnen scheint sich das Schwarz zu verdichten. Sogar ihr Laub wirkt dunkel, selbst im Herbst. Als wären sie mit Kohle oder Tusche gezeichnet und dahinter verschwimmen in blauem Dunst die Berge. Im Winter erinnern ihre Kronen an Herzkranzgefäße.



Und die Früchte sehen aus, als hätte sie jemand heimlich aus einem goldgerahmten Stillleben im Museum gepflückt. Das fomvollendetste Obst, meiner Meinung nach, irgendwo zwischen Gelb und Grün mit einer Ahnung Rot, übersät von Spätsommersprossen. Wäre ich Eva, so hätte man die Menschheit wegen einer Birne des Paradieses verwiesen...



Genug geschwärmt! Ach, das möchte ich doch noch sagen: Birnenholz ist ebenso wunderschön! Es sieht so seidenmatt aus und hat einen bezaubernden Honigton und es greift sich so angenehm an.

Das hier ist nun aber wirklich mein letztes Birnenrezept für dieses Jahr.















Dienstag, 14. Oktober 2014

Kürbisblätter à la carte

Zur Zeit haben Kürbisse Hochsaison. Von Suppe und Auflauf über Gemüse bis hin zu Kuchen, Marmelade und Chutney sind sie in einer Vielzahl von Gerichten prominent vertreten. 
Meine Kürbisse wurden bereits geerntet und trotzdem laufen einige Kürbispflanzen erst jetzt zu ihrer Hochform auf. Junge Triebe ranken sich durch den Garten, als wäre es Mitte Juni. Da ich vor langem einmal gehört habe, dass in anderen Kulturen nicht nur die Früchte, sondern auch die Blätter verzehrt werden, habe ich mich auf die Suche nach Rezepten gemacht. Wikipedia hat mir erklärt, die jungen Blätter, die Triebspitzen und die Blüten der Speisekürbisse sind genießbar. Sonst habe ich noch den Hinweis gefunden, dass Kürbisblätter in Asien, Afrika und Südamerika in der Küche verwendet werden. Auf richtig brauchbare Rezepte bin ich bei meiner Recherche nicht gestoßen. Deshalb habe ich letztendlich selbst eines erfunden. Es ist von der chinesischen und der thailändischen Küche inspiriert und recht einfach:


Kürbisblättergemüse

1 Schüssel voll junger Kürbisblätter und Triebspitzen
1 kleine Zwiebel
1 Stück Ingwer
3 - 5 Knoblauchzehen
1/2 Limette oder Zitrone
Korianderkörner
Lemongrass (als Pulver)
Öl
Pfeffer
Salz


1. Die Kürbisblätter waschen und eventuell - ähnlich wie bei Fisolen (Buschbohnen) - an den Stängeln die fasrigen Teile wie "Fäden" abziehen.

2. Die Zwiebel fein schneiden und in einer großen Pfanne anbraten. Den Ingwer in kleine Stückchen schneiden und zur Zwiebel geben. 

3. Die Kürbisblätter dazugeben, salzen und pfeffern und unter häufigem Rühren braten. 

4. Koriander im Mörser zerstoßen und hinzufügen.

5. Den Knoblauch in feine Scheiben schneiden und ebenfalls zum Kürbisblattgemüse geben.

6. Lemongrass darüberstreuen, die halbe Limette/Zitrone auspressen und über das Gemüse gießen.

7. Nun kurz einen Deckel auf die Pfanne geben, damit die Blätter ein wenig dünsten können. Zum Schluss den Deckel wieder herunternehmen und so lange braten, bis keine Flüssigkeit mehr in der Pfanne ist.

8. Mit Reis servieren.

Dieses Rezept kann natürlich auch mit Fisch, Tofu oder Fleisch gemacht werden - auch Sojasauce oder wahlweise Kokosmilch kann ich mir hervorragend dazu vorstellen. Ich wollte es für den Anfang einfach so "pur" wie möglich kochen, um zu sehen, wie Kürbisblätter tatsächlich schmecken. Und sie sind gut - sehr gut sogar! Ein wenig wie Erbsen in der Schote, irgendwie grün und gemüsig - auf jeden Fall sehr angenehm! 





ERGÄNZUNG: Ich habe das Gericht ein zweites Mal gekocht und diesmal den Zitronensaft weggelassen. Dadurch sind die Kürbisblätter schön grün geblieben. Außerdem habe ich zusätzlich ein Thaicurry mit Putenfleisch und Kokosmilch gemacht. Das war wirklich SEHR gut!






Samstag, 11. Oktober 2014

Weißdornlikör

Weißdorn mag ich gerne als Tee. Dazu pflücke ich im Frühling die Blüten, die Triebspitzen und die jungen Blätter. Genauso schön wie zu seiner Blütezeit Anfang Mai ist der Strauch, der in Buschform und auch in Baumform anzutreffen ist, jetzt im Herbst. Die roten Früchte leuchten wie Rubine in der Sonne und wenn sich die Nebel senken, glitzern sie im Geäst.


Alle Pflanzenteile (Blüten, Zweige und Früchte) werden in der Naturheilkunde verwendet. Sie sind positiv inotrop, das heißt, sie steigern die Kontraktionskraft des Herzens - ohne Nebenwirkungen. Weißdorn ist außerdem gefäßerweiternd und dadurch durchblutungsfördernd. Er beugt Herzerkrankungen vor, hilft bei Durchblutungsstörungen und sowohl bei zu hohem, als auch bei zu niedrigem Blutdruck.

Roh verzehrt sind die Früchte zwar sehr gesund, jedoch etwas mehlig. Mir persönlich schmecken sie ganz gut, doch viele meiner Bekannten mögen sie gar nicht. In diesem Fall können Sie zu Marmelade, Kompott oder Gelee verarbeitet werden - zum Beispiel mit Äpfeln gemischt. Weißdornfrüchte gelieren sehr gut und schmecken gekocht angenehm süß-säuerlich.

Und natürlich bietet sich noch an, einen Likör damit anzusetzen. Der findet meist mehr Anklang als Tee oder Marmelade und hat sicher auch einen positiven Effekt auf die Gesundheit - zumindest solange man nicht gleich die ganze Flasche auf einmal austrinkt.



500g Weißdornfrüchte
100g Kristallzucker
50g Rohrzucker
10 Korianderkörner
5 Pfefferkörner
2-3cm Vanilleschote
1l Wodka oder Korn

Die Früchte von den Stängeln befreien. Den Zucker in größere Gläser füllen und die Beeren und die Gewürze dazugeben. Nun den Alkohol darübergießen, sodass die Früchte bedeckt sind. Die Gläser verschließen und 6 Wochen an einem warmen, sonnigen Platz ziehen lassen. Danach abseihen, in Flaschen füllen und möglichst noch 2 Monate ruhen lassen.







Freitag, 10. Oktober 2014

Kaffeepeeling - Kleiner Schwarzer am Morgen

Ich muss gestehen, ich bin kaffeesüchtig. Und wenn ich nicht aufpasse, trinke ich sieben Häferl am Tag. Ja und meistens passe ich eben nicht auf. Da fällt jede Menge Kaffeesatz an und der ist - vor allem für Kaffeeliebhaber - die ideale Hautpflege. Kaffeegeruch solltet man schon mögen, wenn man ein Kaffeepeeling oder eine Kaffeemaske macht.


Kaffeepeeling

Filterkaffeesatz 
(oder Kaffeesatz aus der Espressomaschine)
1 EL Feinkristallzucker
1 TL Sesamöl

Diese Mischung kann nun als Gesichtsmaske oder als Gesichts- beziehungsweise Körperpeeling verwendet werden. Das sieht recht wild aus. Vor allem beim Körperpeeling wird die Duschkabine auch ein wenig verwüstet. Doch keine Panik - der Kaffee lässt sich ganz einfach wieder wegspülen.



Und die Sauerei lohnt sich: Die Haut wird gut durchblutet, samtweich und zart. Und so bleibt sie dann auch einige Tage. Angeblich soll Koffein auch hautstraffend wirken, doch solchen Aussagen der Kosmetikindustrie traue ich nicht so ganz. Immerhin wird mit derartigen Versprechen jede Menge Geld verdient. Meine Haut ist sowieso straff und sollte sie das einmal nicht mehr sein, dann ist das halt so. Dann wird auch keine Wundercrème um 300 Euro etwas daran ändern. Da habe ich lieber weiterhin Freude an Melange, Espresso, Cappuccino, Großem und Kleinem Schwarzen. Die wende ich innerlich und äußerlich an. Denn doppelt hält besser.



Dienstag, 7. Oktober 2014

Der goldene Birnenstrudel

Durch das hügelige Land wand sich eine lange graue Straße. An dieser Straße stand ein alter Birnenbaum. Wie jeden Herbst waren seine Birnen sattgelb und saftig und fielen nach und nach auf die graue Straße.


Da kam ein Rotröckchen des Weges. Und als sie so die Straße entlang lief, landete eine goldgelbe Birne genau vor ihren Füßen. Rotröckchen erschrak, denn beinahe wäre ihr die Birne auf den Kopf gefallen. Doch dann hob sie sie auf und rief entzückt: "Wie schön sie ist! Und wie sie duftet!" Sie tat sie in ihren Korb und entdeckte noch mehr Birnen im hohen Gras am Straßenrand. Voll Freude füllte sie ihren Korb. 


Als sie nachhause kam, nahm Rotröckchen die Birnen aus dem Korb und legte sie auf den Tisch. Sie betrachtete sie eine Weile und sagte sich: "Ich werde einen Birnenstrudel machen - so wie ihn Urgroßvater immer gebacken hat."


Rotröckchen lief in den Garten und schüttete noch zwei Äpfel vom großen Apfelbaum.


Sie sammelte auch einige Walnüsse unter dem alten Nussbaum auf. Dabei hörte sie ihren Urgroßvater singen.


Rotröckchen summte Urgroßvaters Lied vor sich hin und ging ins Haus. Dort begann sie die Früchte zu schälen. Rote Locken fielen von den Äpfeln und goldgelbe von den Birnen. In ihrem Kopf sang der Urgroßvater.


Flink schlug Rotröckchen die Nüsse auf und hackte sie fein.



Sie zog einen Strudelteig (aus dem Kühlschrank - Urgroßvater muss das ja nicht wissen) und schnitt munter die Äpfel und Birnen darauf.


Dann streute sie die Nüsse auf die Fruchtstückchen und träufelte einen Löffel bernsteinfarbenen Honig darüber. Sie rollte den Strudel ein und tat ihn in den heißen Ofen.


Als der Strudel goldbraun gebacken war, zog Rotröckchen ihn aus dem Ofen. Wie süß er duftete - wie eine ganze Birnbaumallee, die in voller Blüte stand, und ein wenig nach Urgroßvaters Pfeife.



Sonntag, 5. Oktober 2014

Iron Man

Attila bügelt gerne. Ich nicht. Während ich mir dabei höchstens die Finger verbrennen oder gar die Wäsche brandmarken würde, sagt er doch tatsächlich, Bügeln entspannt ihn. Er lässt so gerne den Tag ausklingen, hört dabei Musik (von Manu Chao über Miles Davis bis Keith Jarrett) und nimmt sich Zeit dafür. Manchmal macht er das sogar Sonntag morgens. So wie heute. Und danach hat er gute Laune. Sagt, er empfindet die Bügelbewegungen als angenehm und mag die Farben der Kleidungsstücke und glättet dabei irgendwie die Wogen - auch innerlich. Das klingt esoterisch, aber so meint er das nicht. Ich glaube ihm, dass Bügeln schön ist, denn es sieht sehr schön aus, wenn er es macht, fast anmutig. Seine Musik gefällt mir auch, darum bleibe ich in Hörweite und lege ihm noch den Stapel mit meinen Kleidern dazu.   






Donnerstag, 2. Oktober 2014

Mostbirnenlikör

Radfahren in Alleen ist zur Zeit ziemlich gefährlich. Kastanienbäume werfen mit stacheligen Geschoßen und die eleganten Mostbirnenbäume überlassen ihre Früchte nun nach und nach ebenfalls der Schwerkraft. Und dennoch lohnt sich so ein Radausflug. Denn Mostbirnen haben ein sehr intensives Aroma, das mit dem ihrer zahmen Verwandten aus dem Garten nicht zu vergleichen ist. Sie sind eine Zwischenstufe von Wildbirnen und Speisebirnen und werden, wie ihr Name erahnen lässt, zur Herstellung von Birnensaft, Birnenmost oder Cidre verwendet.

Es gibt viele alte Mostbirnensorten, von denen ein Großteil schon in Vergessenheit geraten ist. Das ist wirklich schade, denn während viele Tafelbirnen zu süßlich fad sind, um sie zum Kochen zu verwenden, entfalten Mostbirnen gerade durch die Weiterverarbeitung ihren intensiven Geschmack. Von Natur aus reich an Gerbsäure, entwickeln sie beim Kochen ein süßsäuerliches, feinherbes Aroma.

Eine herbstliche Köstlichkeit ist Birnenstrudel mit gehackten Walnüssen. Wer auch im Winter noch den Geschmack der Oktobersonne genießen möchte, dem empfehle ich Birnenmarmelade oder Birnenlikör herzustellen. Hier ist mein Birnenlikör-Rezept:



1 kg Mostbirnen
1 l Birnenbrand, Korn oder Wodka
150g braunen Zucker
1 Stück Ingwer (etwa 1 cm dick)
1 Kardamomkapsel
5-10 Pfefferkörner

1. Zwei Drittel der Birnen schälen, entkernen und in Stücke schneiden. Das letzte Drittel ebenfalls entkernen und in Scheiben schneiden, die Schale jedoch nicht entfernen.

2. Die geschälten Birnen in einem Topf mit dem Zucker vermischen und ein wenig stehenlassen, sodass sich Saft bildet.

3. Die ungeschälten Birnenscheiben in ein Ansatzgefäß geben. Den Ingwer schälen und in feine Scheiben oder Streifen schneiden und gemeinsam mit den Pfefferkörnern und der Kardamomkapsel zu den Birnen in das Ansatzgefäß geben. Etwas Alkohol darüber gießen, damit die Birnen nicht so stark braun werden.

4. Die geschälten Birnen mit dem Zucker aufkochen. Wenn nötig etwas Wasser hinzufügen. Etwa 20 Minuten kochen, bis ein weiches Kompott entstanden ist. den Topf vom Herd nehmen und abkühlen lassen.

5. Das Birnenkompott in das Ansatztgefäß zu den Birnenscheiben und den Gewürzen geben und das ganze nun mit dem restlichen Alkohol bedecken.

6. Für 6 Wochen an einem warmen Ort stehenlassen. Das Ansatzgefäß von Zeit zu Zeit bewegen.

7. Durch ein feines Sieb oder ein Tuch seihen. Je nach Geschmack noch mit braunem Zucker nachsüßen. In Flaschen füllen und noch einmal etwa 2 Monate ruhen lassen.